DAX 8000 Plus X – Neues Allzeithoch oder doch Triple-Top?

Im Rahmen der großen Oster-Blogparade zum Thema Dax, gehostet von Holger, Ulrich, Lars und Markos, möchte ich nun auch mal meinen Senf zum Thema beitragen, auch wenn ich persönlich, soviel sei kurz angemerkt, alles andere als ein großer Dax-Fan bin – und diesen grunddessen auch leider immer etwas hier im Blog vernachlässige…

Nun, da ich erst seit kurzem überhaupt erst von besagtem Blog-Karneval weiss, und ich – als ich hier auf Holgers Artikel stieß, doch schon sehr geflasht war, wie ausführlich das vorgegeben Thema schon von dem ein oder anderen Blogger-Kollegen behandelt wurde, viel es mir natürlich erstmal recht schwer einen Ansatz zu finden der nicht unlängst schon von jemand anderem beackert wurde.

Aus diesem Grunde habe ich mich letztlich auch dazu entschlossen, mit diesem Artikel der Beitragsrunde jenen kleinen Aspekt hinzuzufügen, welcher im übrigen nicht ganz überraschend – von den doch größtenteils aus der Value-Ecke stammenden Kollegen für mein Dafürhalten dann doch etwas stiefmütterlich behandelt worden ist, nichts für ungut Leude 😉

Alle guten Dinge sind drei!?

Ganz recht, der Dax kämpft mal wieder mit der 8000 Punkte Marke, seit den Zeiten des großen Dotcom-Blase im Jahre 2000 und damit nun schon seit 13 Jahren, reibt sich unser Leidindex schon an dieser runden Bestmarke. Schon seit 13 Jahren, über eine Dekade hinweg, kämpfen die Bullen nun schon mit den Bären um genau diese Marke von 8000 Punkten, ein lange andauernder fast epischer Konflikt wie es scheint, in dessen Verlauf die Bullen sich schon zwei Mal geschlagen geben, und zusehen mussten wie die Bären all ihre Erfolge wieder kassierten, und den Index wieder in die Tiefe trieben. Diese Metaphorik hört sich zwar übertrieben an, doch ein Blick auf den Dax-Chart auf Monatsbasis (2000-2013) offenbart wie sehr diese dramatische Darstellung die historische Wahrheit wiederspiegelt…

Dax Monatschart 2000-2013
Dax Monatschart 2000-2013

Charts erstellt mit ProRealTime.com

 Die erste und die zweite 8000er-Besteigung endeten beide in einem Fiasko

Als der Dax am 7. März 2000 im Zuge einer enorm euphorischen Hausse-Phase sein bisheriges Superlativ bei 8136 Punkten erreichte, ahnte noch niemand so recht was kurz darauf folgen würde. Doch schon kurze Zeit später platzte die große Blase und die viel gehypten Unternehmen der New-Economy verwandelten sich praktisch über Nacht zu den Pestkranken der Märkte, die Anleger verstießen sie, und mieden sie fortan wie der Teufel das Weihwasser. Die Folge war ein- vor allem durch die Panik der vielen Kleinanleger befeuerter, und mehrere Jahre andauernder Bärenmarkt, zu dessen Ende der Dax glatte 73 Prozent seines Wertes eingebüßt hatte. Danach dauerte es noch viele weitere Jahre bis sich die Märkte wieder von diesem Schock erholt, und zu alter Stärke zurück gefunden hatten. Als der Dax dann schließlich am 13. Juli 2007 bei 8151 Punkten, nur 15 Punkte höher als im Jahr 2000 – endlich ein neues Allzeithoch markierte, gab es zwar schon längst eine neue Blase, doch platzte diese anders als beim ersten Mal nicht direkt, was schließlich dazu führte dass der Index erst einmal in eine fünfmonatige Seitwärtsphase eintauchte in deren Verlauf sich das Umfeld zunehmends verschlechterte, und an deren Ende schließlich der nächste große, nicht weniger schlimme Crash stand, der Rest der Story dürfte den meisten Lesern wohl bekannt sein…

Und was bedeutet das für uns heute?

Es gilt nun natürlich erst einmal ganz offensichtlich zu konstatieren dass der Dax demzufolge nun schon seit 13 Jahren quasi seitwärts läuft, und aufgrund seiner Konstruktion als Performance-Index (gezahlten Dividenden werden miteingerechnet) mittlerweile erheblichen Nachholbedarf hat, und natürlich vor allem; dass die 8000 Punkte Marke aufgrund der langen unschönen Vorgeschichte eine eklatante Hürde für den Index darstellt!

Hieraus ergeben sich folgende direkte Schlussfolgerungen:

  1. Ein nachhaltiges Scheitern am alten Allzeithoch bei 8151 Punkten birgt erhebliches Entäuschungs- und somit auch Abwärtspotential. Es besteht die Gefahr dass sich hier ein sog. Triple-Top bildet, welches es den Bullen in der Zukunft noch schwerer machen könnte die 8000 nachhaltig zu überwinden. Sorge bereiten hier vor allem:
    • Die noch immer ungelöste Euro-Schuldenkrise, und der neuste Brandherd in Zypern
    • Die schwierige und unsichere politische Situation in Italien in Bezug auf die jüngsten Wahlen…
    • Der politische Streit um die nun greifende Schuldenbremse in den USA, bzgl der hohen Staatsverschuldung, und die hieraus resultierenden unkalkulierbaren Folgen für die US-Wirtschaft
    • Ein sich zur Jahresmitte hin möglicherweise wieder abschwächendes Wirtschaftswachstum
    • Der Zeitfaktor und damit die Gefahr wie auch in 2007-2008 durch das Eintreten neuer Ereignisse und   Entwicklungen die Gelegenheit zu verpassen.
  2. Ein Durchbruch durch das bisherige Allzeithoch könnte hingegen vermutlich eine starke Kurs-Dynamik mit sich bringen, welche den Index in der Folge weit über das bisherige Bestmaß hinaus tragen könnte. Hier gibt es einige Punkte die dafür sprechen:
    •  Der Dax tendiert seit seinem März 2003 Tief immer weiter aufwärts (langfr. Aufsteigendes Dreieck)
    •  Der Dax hat Nachholbedarf, große Diskrepanz zwischen wirtschaftl. Entwicklung und Bewertung
    •  Die anhaltend lockere Geldpolitik und das weltweit anziehende Wirtschaftswachstum
    •  Das anhaltend gute Sentiment in den USA: der Dow als Zugpferd…
    •  Die akt. Nähe des Index zur bisherigen Bestmarke und die charttechnische Situation
    •  Mangel an Anlagealternativen und die bisher angeblich geringe Beteiligung von Kleinanlegern
Dax - Tageschart 27.03.2013
Dax – Tageschart 27.03.2013

Charts erstellt mit ProRealTime.com

Butter bei die Fische, neues Allzeithoch, JA oder NEIN!?

So, nun aber ans Eingemachte, ich persönlich gehe zunächst einmal stark davon aus dass der Dax schon in nächster Zeit (vllt schon nach Ostern) zumindest sein bisheriges Allzeithoch bei 8151 Punkten anlaufen und vielleicht sogar im ersten Zug geringfügig übertrumpfen wird. Warum? Ganz einfach, zum einen weil wir uns ganz salopp gesagt schon zu nah im Gravitationsbereich dieser Marke befinden, zum andern weil zur Zeit einfach ein wenig mehr dafür als dagegen spricht . Jaja, das ist nicht gerade sehr spezifisch, aber es muss reichen, schließlich hat ja alles mal ein Ende und nur die Wurst hat zwei! 😉

Charttechnisch sieht es folgendermaßen aus…

Der seit 2009 eingeschlagene und im September 2011 wieder aufgenommene Aufwärtstrend ist eindeutig noch intakt und sieht gesund aus. Die seit Ende 2012 laufende Seitwärtsbewegung zwischen 7600 Punkten und 7870 Punkten ist als Konsolidierung zu werten, und wurde mit dem Durchbruch am 6ten März erfolgreich nach oben hin aufgelöst. In einem ersten Schub wurde der Dax direkt über die 8000er Marke getragen, und markierte bei 8074 Punkten sein bisheriges Verlaufshoch. Und nun wirds interessant: denn seither tendierte der Index zunächst, vorgeschoben wegen Zypern, leicht nach unten, eine sog. Bullenflagge war die Folge. Diese wurde nun leider heute diamteral zur Signalrichtung, also nach unten hin durchbrochen. Das ist zwar nicht ganz schön aber meiner Meinung nach nicht weiter tragisch… Denn obwohl dies nichts mit Charttechnik zu tun hat, möchte ich an dieser Stelle anmerken das ein lange Osterwochenende mit zwei Börsenfeiertagen bevor steht, und da ist es ganz logisch das manch ein Investor kurzzeitig sein Kapital rausnimmt, um nicht plötzlich auf dem falschen Fuss erwischt zu werden. Natürlich wurde heut auch mal wieder die Lage in Italien als Begründung angeführt, doch dies sollte man nicht überbewerten…

Vorerst dürfte der Dax nun an der im Chart ersichtlichen Trendlinie welche sich zufällig auch genau mit einem kleiner 61,8er Fibo überschneidet, etwas halt finden, hierfür spricht vor allem das es heute einen leichten Rebound bei genau 7740 Punkten gab, wobei sich FYI im Stundenchart eine Hammerkerze, also ein weiteres positives Zeichen gebildet hat. Und last but not least befand sich der Schlusskurs heute (27.03.13) bei 7789 Punkten, genau über dem 50er EMA…

Es hängt nun also kurzzeitig erstmal davon ab, wie sich der Markt  nun am Donnerstag ins lange Wochende verabschiedet. Tendiert er leicht nach oben bzw hält sich auf diesem Niveau, stehen die Chancen in der nächsten Woche wieder höhere Notierungen zu sehen m.E. ziemlich gut.

Bricht er dagegen weiter nach unten durch, verdunkelt sich das chartechnische Bild schon etwas mehr , da hierdurch die Trendlinie und das Korrektur-Fibo negiert würden. Doch auch dies wäre noch kein richtiger Beinbruch. Schließlich bietet die Supportline bei 7600 Punkten noch eine “Last-Line-of-Defence”. Solange diese Marke nicht nachhaltig unterschritten wird, ist in nächster Zeit also noch alles möglich!

Meine persönliche Meinung, bzw. mein Bauchgefühl sagt hierzu folgendes:

Ich bin mir ziemlich sicher dass der Dax schon bald sein altes Allzeithoch anlaufen, und vielleicht auch, zumindest geringfügig übertrumpfen wird.

Doch obwohl in diesem Falle – wie oben bereits geschrieben, die Chancen auf wesentlich höhere Notierungen gut stünden, so bin ich diesbezüglich aufgrund der bisherigen Dauer der laufenden Hausse doch äußerst skeptisch, und bleibe bei meiner pers. Meinung dass es langsam doch Zeit wird, ein bisschen Geld vom Tisch zu nehmen…

Spätestens wenn der Dax ein erstes neues Allzeithoch erreicht hat… 

Zum Schluss noch einige interessante Fakten über den Dax, und ein Vergleich zwischen der Entwicklung des Dax im Vergleich zum amerikanischen Dow Jones welche sich teils auch bei Wikipedia nachlesen lassen…

  • Der Dax ist im Gegensatz zu den meisten anderen beachteten Indizes (Dow Jones, Nikkei, Euro Stoxx  usw.) ein sog. Performance-Index in dessen Bewertung auch ausgezahlte Dividenden miteinfließen
  • Trotz dieser Tatsache entwickelte sich der Dax in der Vergangenheit wesentlich schlechter als z.B. der Dow
  • Den Dax gibt es auch als Kursindex  den sog. DAXK um ihn besser mit Kursindizes wie dem Dow vergleichen zu können
  • Ein direkter Vergleich zwischen der historischen Entwicklung des DaxK und der des Dow Jones ergab, für den Dow zwischen 1987 und 2012 eine durchschnittliche Jahresrendite von 7,9 Prozent derweil der DaxK in dieser Zeit nur eine durchsch. Rendite von 5,9 Prozent verbuchen konnten.
  • Der Dow Jones stieg in dieser Zeit um 575,9 Prozent, derweil der Daxk nur 316,1 Prozent Kurssteigerung erreichen konnte
  • Auch bei einem Vergleich des DJITR (Dow Perf-Index) mit dem Dax entwickelte sich der Dax wesentlich schlechter
  • Die durchschnittl. Diskrepanz zwischen beiden Vergleichen (Dow zu Dax) beträgt 44,75 Prozent
  • In 2007, vor dem Bärenmarkt betrug die Diskrepanz zwischen dem Höchstand des Dow und dem des Perf-Dax zum 11 Okt 2007 genau  43,21 Prozent
  • In 2009 am Ende des Bärenmarktes betrug die Diskrepanz zwischen Dow und Dax genau 44,35 Prozent
  • Am 26.03.2013 notierten die Indizes mit einem Unterschied von 45,82 Prozent zueinander

Letztendlich lässt sich zwar keine zuverlässige Zukunftsprognose für den Dax aus diesen Zahlenspielchen ziehen, nichts desto trotz lässt sich anhand dieser Prozentwerte durchaus ganz gut feststellen, dass der Dax dem Dow seit dem platzen der Dotcom-Blase immer einen Abstand von etwas 45 % zum Dow eingehalten hat, egal in welche Richtung…

So Long, Ihr Thomas Blank

Hier noch nachfolgend, einige weitere interessante Artikel im Zuge der Oster-Blogparade:

Dividenden-Blog – DAX bei 8.000 Punkten – na und?

SFG Value – DAX 8.000: Jedes Mal mit neuem Gesicht

Die Kleinanleger – Der Dax bei 8.000 Punkten – Was bedeutet das für den Kleinanleger? Und: Stellt der ATX eine Investmentalternative da?

3 Antworten auf “DAX 8000 Plus X – Neues Allzeithoch oder doch Triple-Top?”

  1. Nun ist einige Zeit ins Land gezogen und der DAX hat in den letzten Monaten tatsächlich gar die 9600 überschritten. Da wäre ein langfristiges Investment selbst mit Derivaten, die innere Kosten haben (z.B. CFD), recht lohnenswert gewesen. Aber wie geht es nun weiter? Entgegen der letzten Jahre, in denen die Indizes zum Jahresanfang eher gestiegen sind, spricht der Anstieg der letzten Wochen wohl für weitere Gewinnmitnahmen. Andererseits werden sich die Verkäufer in Erwartung einer Fortsetzung der Rally möglicherweise noch zurück halten. Dafür spricht z.B., dass die Fonds im Januar die ihnen zum Jahreswechsel zugegangene Liquidität unterbringen wollen oder müssen.

    Zudem die letzten Zahlen aus China und das allenfalls moderate Wachstum in den USA andeuten, dass der Taper nur langsam kommt. Die US-Zinsen bleiben laut Bernanke und in Übereinstimmung mit seiner Nachfolgerin langfristig niedrig und damit auch die Liquidität erhalten. Wenn die EZB/Draghi irgendwann ihre restriktivere Haltung aufgibt (siehe Euro/USD- sowie M3 und Inflationsentwicklung), könnte ein (modifizierter?) LTRO oder andere Maßnahmen die Indizes weiter beflügeln. Auf lange Sicht sehe ich den Markt daher bullish.

    Kurzfristig und charttechnisch dürfte der Montag zeigen, in welche Richtung sich ein Investment lohnen könnte. Wenn das November-Hoch bei 9425 auf SK-Basis fällt, könnte sich die Korrektur ausdehnen. Ein signifikantes Überschreiten der 9450 dürfte die Kurse wieder gen Norden treiben. Abwarten ist also angebracht…

    Ralf
    http://www.der-boersenblog.de

  2. Für mich ist immer wieder interessant ältere Beiträge zu lesen. Das mache ich auf meinen eigenen Blogs, aber auch sonst gerne. Im Nachgang lässt sich immer sehen, was ist eingetroffen und was nicht. Beim DAX-Index sind wir aktuell bei ca. 10.000 Punkten…

    Neben dem Trendfolge Investieren beschäftige ich mich auch mit dem Dividenden-Investieren in Aktien mit monatlicher oder quartalsweiser Dividende, aber auch mit Dividenden-Aristokraten, welche über Jahrzehnte steigende Dividenden aufweisen können.

    Weiterhin viel Erfolg, Gruß René

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