Die Euro-Dollar Parität – Eine Glaubensfrage!?

Die Euro-Dollar-Parität kommt, alle wissen es, oder glauben es zu wissen, Marktkonsens nennt man das auch. Es ist eine dieser ultimativen- sich selbst erfüllenden Prophezeiungen die eigentlich gar nicht enttäuschen können, d.h. natürlich nur sofern man Börsianer ist, und einen konkreten Plan – sowie den Mut und den Willen hat, daran zu partizipieren.
Im Prinzip sind Situationen wie die zuvor erwähnte allgemein erwartete Parität zwischen Euro und US-Dollar der Stoff aus dem die feuchten Träume jedes Spekulanten sind, denn per se kann ja eigentlich gar nichts dabei schief gehen.
Ein sicheres Ding sozusagen, bei dem es nur darauf ankommt wieviel Kohle man am Ende dabei scheffeln kann, was an sich schlicht und einfach nur von den eigenen Mitteln in Form von Kapital, sowie der persönlichen Bereitschaft dies auch profitabel einzusetzen abhängt. Oder?

Natürlich hat hier jeder Spekulant seine ganz eigene Risikoaffinität, Depotstrategie, Risiko- und Money-Management, was auch immer. Doch letztendlich sieht es doch so aus: bei großen Geschichten wie der Euro-Dollar-Sache neigt wohl die Mehrheit der Anleger dazu sich dann doch mal etwas weiter aus dem Fenster zu hängen als üblich. Denn schließlich sind solche Storys zwar keine Ausnahme, jedoch selten genug, um zu wissen daß man auf die nächste derartige Chance wahrscheinlich erstmal wieder eine ganze Weile warten muß.
Das geht mir jedenfalls so, und auch wenn man nicht immer von sich auf andere schließen soll, so tendiere ich in dieser Angelegenheit doch stark zu solch einer Haltung. Aber, wäre nicht längst jeder von uns Spekulanten Millionär, wenn das Wörtchen „Wenn“ nicht wär?

Mal ehrlich, schreit dieses allgemein anerkannte Zukunftswissen nicht geradezu danach am Ende doch wieder von der Realität ad absurdum geführt zu werden? Denn auch WENN die ganze Geschichte noch so offensichtlich günstig sein mag, und gute Profite verspricht, so bleibt auch hier wenn man noch einmal besonnen drüber nachdenkt eine kleine aber feine Unbekannte, die manch einer nun vielleicht schlicht als persönliche Unsicherheit abtun und ignorieren mag, anderen aber- wie z.B. mir – vielmehr wie eine kleine Stimme der Vernunft erscheint, welche leise aber vehement warnend auf mich einredet. Mir sozusagen stetig zuflüstert, daß gerade der breite Marktkonsens zum Thema: Parität; also jene geradezu kristallklare Offensichtlichkeit kommender Ereignisse, schon in sich den Keim einer unerwarteten Wendung trägt. Ein Keim der sich letztendlich zu einer finanziellen Katastrophe – für alle welche gar zu unbedacht aufs große Ziel hin spekulieren – auswachsen könnte!?
Hieraus ergibt sich nun ein klarer Zwiespalt für mich und evtl. auch andere denen es ähnlich gehen mag, denn eigentlich sind wir einer Meinung mit dem Rest der Anlegerwelt und wollen auch ein großes Stück vom Kuchen abhaben, aber dennoch zögern wir hier und jetzt einzusteigen, sozusagen endlich Vollgas zu geben, und den Dingen ihren Lauf zu lassen.

Kursverfall im EUR/USD Charts erstellt mit ProRealTime.com
Kursverfall im EUR/USD

Charts erstellt mit ProRealTime.com

 

 

Doch woran liegt das eigentlich? Vielleicht daran das die eigentliche Show schon längst gelaufen ist? Schließlich hat der Euro-Dollar-Kurs seit seinem Höchststand im Juni 2008 bei 1,6038 bis heute bereits sage und schreibe 34 Prozent verloren! Ausgehend vom letzten Verlaufshoch im Mai 2014 bei 1,3993 sind es immerhin noch 24,5 Prozent! Allein dieses Jahr ausgehend vom Hoch am ersten Januar 2015 bei 1,2108 beziffert sich der Wertverlust gegenüber dem US Dollar bis heute schon auf knappe 13 Prozent! Das sind für einen Wechselkurs bezogen auf die Leitwährungen dieser Welt schon jetzt Extremwerte!

Ist das Ding damit nicht eigentlich schon längst ohne uns unentschlossenen gelaufen?

Jain! Denn die Parität steht ja noch aus, und für geschulte Börsianer gibt es genug Wege am Markt um selbst aus dem letzten Rest bis zum Gleichstand noch ein Vermögen auf der Shortseite zu machen. Es läßt sich jedoch nicht in Abrede stellen das der große Rutsch bis zum Status Quo einen schon nachgrübeln läßt, ob denn gerade jetzt der richtige Zeitpunkt für uns Nachzügler wäre – um auch noch auf den Zug aufzuspringen. Schließlich verlaufen Marktbewegungen in jedwede Richtung zumeist zyklisch, und das Risiko einer Korrekturbewegung ist somit jederzeit gegeben, und natürlich um so wahrscheinlicher desto weiter die Bewegung den Kurs schon getrieben hat!
Andererseits gab es ja kürzlich schon so etwas wie eine kleine Korrektur, wenn man den Pullback von 1,0462 auf 1,1046 EUR/USD mit kleiner anschließenden Seitwärtsphase denn so nennen möchte, und derzeit geht es wieder Schlag auf Schlag abwärts dem bisherigen Jahrestief bei 1,0462 entgegen. Kein Wunder, denn an den günstigen Rahmenbedingungen geschaffen von FED und EZB hat sich auch nach dem letzten FOMC-Protokoll der Fed nichts geändert, obwohl ein paar „Experten“ am Markt schon im Vorfeld wieder kräftig in aller Öffentlichkeit interpretiert/gehofft hatten.

Die Ingredienzien für die baldige Parität sind also nach wie vor vorhanden: Die Zinswende in Übersee welche schon im Sommer Realität werden könnte, und die gerade erst wirklich expansiv gewordene Geldpolitik der EZB – welche letztendlich zu einer divergierenden Geldpolitik führen würden. Ein Dollar der gerade nicht nur gegenüber dem Euro stark aufwertet (siehe USD/JPY), sowie ein Griechenland das immer noch Pleite ist und wie ein Damoklesschwert über der Währungsunion hin und her schwankt. Und natürlich die Tatsache, daß die Märkte gewöhnlich derartige Szenarien immer schon im Voraus einpreisen!

Heißt dies alles also für uns unentschlossenen: jetzt oder nie!?
Nun, ich würde es mal wie ein Jurist ausdrücken: Es kommt drauf an!

Denn einerseits laufen solche dem Konsens entsprechenden Entwicklungen erfahrungsgemäß immer ziemlich zügig und linear ab, was den verbleibenden Zeitrahmen immens einengt, und somit schon für einen Einstieg auf diesem Niveau spricht!
Andererseits ist der Zeitpunkt – sofern man wirklich an den Trade glaubt – eigentlich egal, natürlich nur unter der Voraussetzung das man entweder genügend Feuerkraft und Geduld besitzt, um gegenläufige Entwicklungen auszusitzen. Oder aber die richtigen Waffen in Form von passenden Anlageinstrumenten wählt, und natürlich auch weiß wie man diese handhabt, also auch deren Risiken kennt! Ob man nun also direkt Dollars kauft, oder aber auf Faktor-Zertifikate, Knock-Outs oder CFDs setzt, bleibt also jedem Spekulanten selbst überlassen. Denn letztendlich ist auch diese Spekulation, und die Frage nach dem Für und Wieder wie alles andere im Leben auch: „Eine Glaubensfrage!“

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